Mit der Zeyt

Klaus Reichold - Kulturhistoriker

Betrunkener Braunbär angelt Lachse

 

 

Kinder der Traurigkeit sind sie nicht, die fünf Herren aus der wiedervereinigten Hauptstadt. Im Gegenteil - der Schalk sitzt ihnen im Nacken. Eine Auswahl von Werken “verstorbener und verschiedener Komponisten” hatten sie angekündigt - in der Hoffnung, “die Erwartungen, die wir übertreffen sollen, auch zu erfüllen”. Das gelang dem pfiffig-pointierten Blechbläserquintett der Berliner Philharmoniker mühelos - zum einen, weil die Besetzung an sich schon ungewöhnlich ist, zum anderen, weil das Repertoire die Grenzen zwischen “E”- und “U”-Musik schnöde negiert und Beatles-Songs ganz unorthodox mit Opern-Potpourris oder zeitgenössischen Werken kombiniert. Angesichts dieser himmelschreienden Unbormäßigkeit mag es manchem konservativen Klassikkonsumenten den frisch gestärkten Hemdkragen nach oben stellen. Dem Publikum in Aschheim jedoch gefiel die mit reichlich Satire angerührte Melange. Auf Sympathie stieß außerdem, daß hier jede Menge Blech vertreten war, das den brüchigen Mauern von Jericho durchaus gefährlich werden konnte. Doch das Quintett hielt sich angenehm bedeckt und trat den Beweis an, daß “Blech” und “Lärm” keine zwingende Konnation ist ...