Mit der Zeyt

Klaus Reichold - Kulturhistoriker

Ein Preuße auf Reisen durch Bayerns Musikszene
 

 

Die monumentale Schönheit des Gebirges beeindruckte ihn. Doch die Schlaglöcher der staubigen Alpenstraßen forderten ihren Tribut: In Brixen verlangte der preußische Kammerherr Otto Carl Erdmann von Kospoth nach Schrauben, weil seiner Kutsche, von Innsbruck kommend, an diesem Tag schon zweimal das linke Vorderrad abhanden gekommen war. Auf der Weiterfahrt in Richtung Süden kam es noch schlimmer: Der hochwohlgeborene Reisende mußte laut eigenem Zeugnis „die schrecklichsten Wege und Abgründe passieren, dazu war es sehr finstere Nacht, hatte zwey sterische Pferde und einen besoffenen postillon, daß mir beinahe der Muth zum Schlafen verging“. Erst am nächsten Morgen, auf der Höhe von Bozen, wurde ihm wieder wohler: „Die Gegend herum gleicht den schönsten Gärten, und man sieht alle Gebürge voll Wein bepflanzt“, notierte Kospoth am 21. Juli 1783 in seinem Tagebuch – um gute vierundzwanzig Stunden später von neuem Ungemach heimgesucht zu werden: Hinter Trient „überrumpelte“ ihn das heftigste Gewitter, „welches ich in meinem Leben erfahren habe; es schlug alle Minuten ein, die Leute aber lachten dazu, weil sie das schon mehrer gewohnt sind“. Zu diesem Zeitpunkt war Kospoth bereits knappe drei Monate unterwegs ...