Mit der Zeyt

Klaus Reichold - Kulturhistoriker

Geranienkästen und Rosendünger

 

 

Der Titel klingt ja eher harmlos: „Die Gärtnerin aus Liebe“. Man denkt an Tulpenzwiebeln, Geranienkästen, Rosendünger und Gummihandschuhe – an ein stilles Mädchen, einfach, dem Schicksal ergeben. Auf die Züge, die Frances Lucey der Gärtnerin Sandrina gibt, will diese Typisierung  durchaus zutreffen. In Peer Boysens Gärtnerplatz-Inszenierung mimt sie in der Tradition verhärmter Theologiestudentinnen die graue Maus – wie Pamela Anderson noch immer in einen Mann verliebt, der sie fast umgebracht hätte. Das spricht zwar fürs schauspielerische Talent von Frances Lucey, nicht aber für die Selbstachtung Sandrinas. Und doch ist Mozarts shakespearehaftes, amüsant-bitteres Singspiel über die Verwicklungen der Liebe für Peer Boysen offenbar ein Stück der starken Frauen. Und diese Frauen sind gut: Serpetta (Gabriela Bone) rotzt sich als frech kommentierendes, zynisches Gör mit der beneidenswerten Schlagfertigkeit einer wiesnerprobten Jungkellnerin durch die drei Akte. Und Arminda (Sandra Moon) rauscht als aufgeschrecktes Starlet-Huhn auf die Bühne, erweist sich als schnippisches Biest und schließlich gar als rasende Furie. Die Männer dagegen: Waschlappen, Pantoffelhelden und Weicheier ...  Die unterkühlte Farbgebung der Bühne macht klar, daß „Die Gärtnerin aus Liebe“ trotz allen Klamauks und aller Komik ... auch ein tragisches Stück ist: Denn wann ist Liebe schon wirklich Glück?