Mit der Zeyt

Klaus Reichold - Kulturhistoriker

Prunkuhren und Armprothesen

 

Selbst tief in der Nacht brannte in den vergangenen Wochen noch Licht im Neuburger Schloß. Doch jetzt ist alles fertig: Bei Kaiserwetter wurde am Donnerstag die Landesausstellung „Von Kaisers Gnaden“ eröffnet – mit Fanfarenstößen, Trommelwirbeln, Landsknechten und einer bellenden Meute von Jagdhunden. Damit feiert die Stadt an der Donau nicht nur den Abschluß der jahrzehntelangen Sanierung des Schlosses, die fast 30 Millionen Euro verschlungen hat. Mit der Ausstellung werden auch jene längst vergangenen Tage wieder lebendig, als das Schloß noch eine fürstliche Residenz war. Denn obwohl Neuburg heute eher am Rand der großen Touristenströme liegt „und sogar der Spargel nach der Nachbarstadt Schrobenhausen benannt ist“, wie Claus Grimm, der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, in seiner Ansprache meinte, bleibt eines festzuhalten: Im 16. Jahrhundert war Neuburg ein kultureller Mittelpunkt von europäischem Rang. Denn Pfalzgraf Ottheinrich liebte nicht nur die Frauen und den Wein, seine Bücher und gelehrte Debatten. Er war auch ein manischer Bauherr, Sammler und Kunstmäzen. Zeitweise beschäftigte er ganze Heerscharen von Bildhauern, Buchmalern, Erzgießern, Goldschmieden, Plattnern, Teppichwebern – und vieles von dem, was die Künstler für Ottheinrich geschaffen haben, bevor es in alle Himmelsrichtungen zerstreut wurde, ist jetzt aus den Museen der Welt für ein paar Wochen nach Neuburg zurückgekehrt ...