Mit der Zeyt

Klaus Reichold - Kulturhistoriker

Verfolgt vom Leibhaftigen
 

 

Für fromme Pietistenseelen und andere schwache Gemüter ist Ben Hur nur bedingt geeignet. Und    das, obwohl es sich bei dem Werk um einen religiösen Erbauungsroman handelt, veröffentlicht 1880 von einem gewissen Lewis Wallace. Daß Kardinal Ratzinger den Stoff nicht schon längst als Pflichtlektüre für den katholischen Religionsunterrichts vorgeschrieben hat, liegt vermutlich daran, daß der Autor eigentlich kein Schriftsteller war, sondern Bürgerkriegsgeneral, weswegen das skizzierte Spektakel ziemlich mörderisch geriet. Doch das beförderte die Auflage nicht unerheblich: 100 Dollar, so dachte Lewis Wallace anfangs in seiner Bescheidenheit, könne ihm Ben Hur pro Jahr wohl einbringen. Tatsächlich sah er sich in der Folge (zu seiner nicht geringen Überraschung) mit einem Vieltausendfachen überschüttet. Denn sein Buch erreichte eine Auflage, die nur noch von der Heiligen Schrift übertroffen wurde und die bis dato höchsten Tantiemen erzielte. Kein Wunder, daß sich  bald auch der junge Film des Stoffes annahm. 1924/25 entstand der erste von zwei legendären Kinoklassikern mit dem Titel Ben Hur – ein opulenter Streifen, der nicht zuletzt deshalb berühmt geworden ist, weil er die ersten Farbsequenzen der Filmgeschichte enthält. 1987 hat der Amerikaner Carl Davis einen neuen Soundtrack für diesen Film geschrieben, mit dem nun das Münchner Rundfunkorchester unter der launig-exakten Leitung von Helmut Imig im Zirkus-Krone-Bau an der Münchner Marsstraße brillierte. Auf der überdimensionalen Leinwand ein großartiges filmisches Wechselspiel intimer Dialoge und überbordender Massenspektakel, live dazu mal herrlich sentimentale, mal beängstigend wuchtige Klänge – es war ein Fest für Augen und Ohren ...