Mit der Zeyt

Klaus Reichold - Kulturhistoriker

Der Himmelsstürmer
 

 

 

Er liebte die Frauen und den Wein, ging auf Kavalierstour nach Spanien und auf Pilgerfahrt ins Heilige Land. Der Wittelsbachersproß, ein Enkel des Landshuter Hochzeitspaares, schwelgte im Luxus des Lebens: Als Fürst der ›Jungen Pfalz‹, einem abenteuerlichen territorialen Durcheinander im mittleren und nördlichen Bayern, verwandelte Ottheinrich (1502-1559) seine Hauptstadt Neuburg an der Donau in eine prunkvolle Renaissanceresidenz. Heute erinnert das Neuburger Schloßfest an den Glanz jener Tage. Doch nicht immer stand Frau Fortuna an Ottheinrichs Seite. Er ging bankrott, verlor seine Gemahlin und – evangelisch geworden – auch sein Fürstentum.  In der Abgeschiedenheit des Exils stürzte er sich auf Astrologie und Alchemie, bis sich sein Schicksal noch einmal wendete: 1556 wurde Ottheinrich als Nachfolger seines Onkels Kurfürst von der Pfalz. Inzwischen fast vier Zentner schwer, aber noch immer voller Elan, machte er Heidelberg zur Metropole des deutschen Humanismus und legte den Grundstock für die legendäre Bibliotheca Palatina, »die reichste Schatzkammer des gelehrten Deutschland«. Gleichermaßen leichtsinnig wie schwerfällig, unbedacht wie bedachtsam, weltfroh wie gottfromm war er nicht nur ein Kind seiner Zeit – er hat sie auch verkörpert.

 

Aus dem Inhalt

Das Venuskind: Die ersten Lebensjahre
Von der rechten Zeit des Aufstehens und Zubettgehens: Kinder- und Jugendjahre
Hinaus in die Welt: Wanderjahre
Und hatten wieder eine Mummerei: Der junge Fürst
Die Lust, den Rössern die Schwänz´ zu färben: Prachtentfaltung in Neuburg
Ich meid und haß jed´s leere Faß: Die Liebe und die Leidenschaften
Weltuntergang: Bankrott und weiteres Ungemach
Mit der Zeit: Im Exil
Herkules auf dem Schloßberg: Triumph und Tod in Heidelberg