Mit der Zeyt

Klaus Reichold - Kulturhistoriker

Keinen Kuß mehr! Reinheit! Königtum!

Band 9 der Reihe Splitter = Schriftenreihe des Forums Homosexualität und Geschichte München
 

 

1864, bei seiner Thronbesteigung, galt Ludwig II. nach den Worten eines Zeitgenossen als »Idealgestalt des jungen königlichen Adonis, dessen berückende Schönheit Tausende von Frauenherzen innerhalb und außerhalb Bayerns mit magischer Kraft erglühen ließ«. Wo sich der jugendliche König zeigte, fielen die Damen gleich reihenweise in Ohnmacht. Doch schon Anfang Dezember 1865 gab der königliche Oberstallmeister Lerchenfeld vor der Münchner Staatsanwaltschaft zu Protokoll, im Marstall gehe das Gerücht um, »Seine Majestät sei ein Spinatstecher [...] und stehe in unerlaubtem Umgang mit Männern«. Tatsächlich war die Homosexualität Ludwigs II. schon zu dessen Lebzeiten kein Geheimnis. Deshalb sind die jüngst aufgetauchten Briefe Ludwigs an den Marstallfourier Karl Hesselschwerdt auch nicht »die ersten konkreten Hinweise« auf die gleichgeschlechtliche Veranlagung des Königs, wie da und dort behauptet wird. Sehr wohl aber reihen sie sich ein in die verblüffende Fülle historischer Zeugnisse zur Homosexualität Ludwigs, die für diese Studie erstmals zusammengetragen wurden und im Zusammenhang mit der Absetzung und Entmündigung des Königs zu überraschenden Erkenntnissen führen.

 

Aus dem Inhalt

Götterdämmerung: Ludwig II. wird verhaftet
Umgang mit Frauen suchte er nicht: Die homosexuelle Veranlagung Ludwigs II. war nie ein Geheimnis
Ein Jüngling, so überirdisch schön: Ludwig II. betört Richard Wagner
Teuerster Engel!: Weitere Freundschaften Ludwigs II.
Mit vollen Segeln auf den Liebeswogen: Ludwig II. und seine Beziehungen zur Dienerschaft
Kuß, von Königs-Lippen, letzter: Zu den Tagebuchnotizen Ludwigs II.
Durch die Chevaulegers kommt alles auf: Welche Rolle spielte die Homosexualität bei der Absetzung Ludwigs II.?
Ludwig, lieber Ludwig: Ein Trauergesang auf Ludwig II.