Mit der Zeyt

Klaus Reichold - Kulturhistoriker

Das Gesetz, wonach du angetreten

Der Fürst, sein Astrologe und die Macht des Schicksals
 

In der Nacht zum 26. Februar 1634 geschah in Eger ein grausiger Mord. Das Opfer: Albrecht von Wallenstein, der große Feldherr des Dreißigjährigen Krieges. Für Eingeweihte kam dieses Ende nicht überraschend: Schon 1608 hatte Johannes Kepler dem damals erst 25jährigen Edelmann »Waltstein« mitgeteilt, daß der Himmel für das Jahr 1634 »allerley graußame und erschröckliche Verwirrungen betreffs seyner Person« anzeige. Die ersten, die aus dem Lauf der Gestirne Rückschlüsse auf die Lebenswelt des Menschen zogen, waren die Menschen zwischen Euphrat und Tigris. Auf Tontafeln, die sie mit Keilschriftzeichen beschrieben, sind die frühesten astrologischen Prophezeiungen überliefert. Mit römischen Soldaten kam der Glaube an die Macht der Sterne auch nach Bayern: Im Grundstein der Doppelturmfassade von Kloster Niederaltaich findet sich ein Bauhoroskop, auf der Burg Trausnitz haben sich die Reste einer astrologischen Sonnenuhr erhalten. Daß die gelehrte Sterndeutung im christlichen Abendland überhaupt anerkannt war, ist Albertus Magnus zu verdanken, der um 1200 im bayerisch-schwäbischen Landstädtchen Lauingen geboren wurde. Seither vertrauten Herzöge und Kirchenfürsten, ja selbst Kaiser und Päpste auf Horoskope und astrologische Prophezeiungen. Erst die Aufklärung machte der gelehrten Sterndeutung den Garaus. Herabgewürdigt zu billiger Unterhaltung, verkommen zum Spielball von Dillettanten, profitgierigen Scharlatanen und gewissenlosen Zeitungsschreibern wartet sie bis heute auf ihre Rehabilitation – und auf einen Fürsprecher wie den Dichter Calderon de la Barca, der einst gesagt hat: »Wahn ist es, die Macht der Gestirne für unbesiegbar zu halten; Wahn aber auch, zu glauben, daß sie uns täuschen. Denn die Verhängnisse des Himmels, die einst auf azurnen Tafeln Gott mit seinen Fingern schrieb, täuschen nimmer, lügen nimmer.«