Mit der Zeyt

Klaus Reichold - Kulturhistoriker

Solang‘ der Alte Peter
 

Die dramatische Geschichte des ältesten Münchner Gotteshauses
 

Während der Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs erschütterten innerhalb weniger Monate vier gewaltige Detonationen den Alten Peter, die älteste Pfarrkirche Münchens: Erst stand die Turmbekrönung in Flammen, dann stürzten der Hochaltar und eine Chorwand ein. Anfang Januar 1945 tobte ein Feuersturm in der Kirche, sechs Wochen später wurde sie fast ganz zerstört. Brandkatastrophen hat der Alte Peter in seiner über 700jährigen Geschichte immer wieder erlebt. Doch jedesmal bauten ihn die Münchner Bürger wieder auf. Schließlich handelt es sich bei dem altehrwürdigen Gotteshaus am Petersbergl um ein Bauwerk, das wie kein anderes die Geschichte Münchens widerspiegelt: Von den Mönchen, die sich im Mittelalter an dieser Stelle niedergelassen hatten, soll die bayerische Landeshauptstadt ihren Namen haben – und von den Kellergewölben, die sich unter dem Kirchenschiff fanden, nimmt man an, daß sie auf eine noch weitgehend unerforschte römische Siedlung, auf ein antikes Ur-München hindeuten. Schließlich die Kirche selbst: Hier beteten schon Kaiserin Margarethe und Papst Pius VI., hier wirkte mit Erasmus Grasser, Jan Pollack, Egid Quirin Asam, Ignaz Günther, Johann Baptist Straub und Ludwig Schwanthaler die erste Riege bayerischer Künstler. Daneben wartet der Alte Peter, an dessen Turm ab 1371 die einzige öffentliche Uhr der Stadt angebracht war, mit Kuriosa auf: Unter seinen Pfarrherren tummelten sich illegitime Wittelsbacher – und im Turmstüberl war in unruhigen Zeiten für den Ernstfall ein Geschütz montiert. Nach den Bombardements des Zweiten Weltkriegs in jahrzehntelanger Arbeit mühsam rekonstruiert, soll im Jahr 2 000 mit der Wiederherstellung des Deckenfreskos der Wiederaufbau des Alten Peters abgeschlossen werden. Man hofft, daß dann wieder die Worte gelten, mit denen die Kirche 1734 von einem Jesuitenpater gerühmt wurde: »Sie ist alt, aber doch neu – und was kunnt es Bessers geben: Hoch in dem Alter seyn und dennoch frühlingsschön aussehen!«